Kaum ein Stadtkern in Deutschland erzählt seine Geschichte so dicht wie die Kölner Innenstadt. Auf den gut 16 Quadratkilometern zwischen Rhein und Ring stapeln sich zweitausend Jahre Stadtgeschichte: römische Mauerreste neben gotischen Türmen, romanische Kirchen neben futuristischen Glasbauten am Wasser.
Der Stadtbezirk 1 bündelt die fünf Veedel Altstadt-Nord, Altstadt-Süd, Neustadt-Nord, Neustadt-Süd und das rechtsrheinische Deutz. Mit rund 128.000 Einwohnern ist er der am dichtesten besiedelte Bezirk Kölns. Wer einen Tag Zeit hat, kann fast alles zu Fuß erlaufen. Dreizehn Orte, die zeigen, warum die Innenstadt das Herz der Stadt ist.
- 1. Kölner Dom
- 2. Altstadt am Rhein und Groß St. Martin
- 3. Historisches Rathaus und Alter Markt
- 4. Hohenzollernbrücke und Liebesschlösser
- 5. Römisch-Germanisches Museum
- 6. Museum Ludwig
- 7. Gürzenich
- 8. NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus
- 9. Schokoladenmuseum und Rheinauhafen
- 10. Heinzelmännchenbrunnen und Veedel Altstadt-Süd
- 11. Severinstorburg und die mittelalterlichen Stadttore
- 12. Die Ringe und die Neustadt
- 13. Rheinpromenade, Rheinpark und KölnTriangle
- Ausblick: Wie sich die Innenstadt weiter verändert
1. Kölner Dom
- Adresse: Domkloster 4, 50667 Köln
- Eintritt: Kirche frei, Turmbesteigung ca. 8 Euro
- Geeignet für: alle, Pflichtprogramm für Erstbesucher
- Verkehr: direkt am Hauptbahnhof, Haltestelle Dom/Hauptbahnhof
Die Hohe Domkirche St. Petrus ist das Wahrzeichen schlechthin. Der Grundstein wurde 1248 gelegt, vollendet wurde der Bau erst 1880. Mehr als 630 Jahre lag dazwischen, in denen die berühmte Kran-Silhouette über dem unfertigen Südturm zum Sinnbild der Stadt wurde.
Mit 157,2 Metern war der Dom nach seiner Fertigstellung kurzzeitig das höchste Gebäude der Welt und ist bis heute eine der höchsten Kathedralen überhaupt. Seit 1996 gehört er zum UNESCO-Welterbe. Wer die 533 Stufen des Südturms erklimmt, blickt über die ganze Altstadt und den Rhein. Im Inneren lohnen der Dreikönigenschrein und die Fenster, darunter das umstrittene Richter-Fenster von 2007.
2. Altstadt am Rhein und Groß St. Martin
- Adresse: rund um Fischmarkt und An Groß St. Martin, 50667 Köln
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Stadtbummler, Brauhaus-Gänger, Fotografen
- Tipp: Blick vom Rheinufer auf die bunten Giebelhäuser am Fischmarkt
Zwischen Dom und Rhein liegt das wuselige Gassengeflecht der Altstadt. Viele der schmalen, bunten Häuser am Fischmarkt sind Rekonstruktionen, denn der Zweite Weltkrieg hat das alte Köln fast vollständig zerstört. Trotzdem fängt das Quartier mit seinen Brauhäusern und Kopfsteinpflastergassen das Lebensgefühl der Stadt ein.
Über allem thront der wuchtige Vierungsturm von Groß St. Martin, eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Die dreikonchige Basilika wurde im 12. Jahrhundert auf römischen Fundamenten errichtet. Zusammen mit dem Dom prägt ihr Turm die unverwechselbare Skyline am Wasser.
3. Historisches Rathaus und Alter Markt
- Adresse: Rathausplatz 2, 50667 Köln
- Eintritt: frei (Rathauslaube und Hof von außen)
- Geeignet für: Architekturfreunde, Geschichtsinteressierte
- Tipp: Glockenspiel im Rathausturm zu festen Uhrzeiten
Das Kölner Rathaus ist das älteste Deutschlands mit einer bis ins Mittelalter zurückreichenden Verwaltungstradition. Sein Schmuckstück ist die Renaissance-Rathauslaube, die zwischen 1569 und 1573 nach Plänen von Wilhelm Vernukken entstand und als bedeutendster Renaissancebau der Stadt gilt.
Direkt davor öffnet sich der Alte Markt, mit fast 5.500 Quadratmetern einer der traditionsreichsten Plätze Kölns und im Karneval ein zentraler Treffpunkt. Unter dem Rathausplatz liegt das Praetorium, der Rest des römischen Statthalterpalasts, der zur Geschichte des Veedels gehört. Wer tiefer eintauchen will, findet in unserem Beitrag zur Geschichte der Kölner Innenstadt die langen Linien.
4. Hohenzollernbrücke und Liebesschlösser
- Adresse: Hohenzollernbrücke, 50667 Köln (Fußweg neben den Gleisen)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Paare, Spaziergänger, Fotografen
- Tipp: Sonnenuntergang mit Domblick von der Deutzer Seite
Die Hohenzollernbrücke ist die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands und fester Bestandteil der Kölner Skyline. Direkt neben den Gleisen führt ein Fußweg über den Rhein, der zum berühmtesten Ort für Verliebte der Stadt geworden ist.
Seit 2008 bringen Paare aus aller Welt Vorhängeschlösser am Brückengeländer an und werfen den Schlüssel in den Rhein. Inzwischen hängen dort hunderttausende dieser Liebesschlösser, ihr Gesamtgewicht geht in die Tonnen. Von der Deutzer Seite hat man zudem den schönsten Blick zurück auf Dom und Altstadt.
5. Römisch-Germanisches Museum
- Adresse: Roncalliplatz 4, 50667 Köln (Interim Cäcilienstraße während Sanierung)
- Eintritt: moderat, oft ermäßigte Tage
- Geeignet für: Geschichtsfans, Familien, Schulklassen
- Highlight: Dionysosmosaik und Poblicius-Grabmal
Köln war als Colonia Claudia Ara Agrippinensium eine der wichtigsten Römerstädte nördlich der Alpen. Davon zeugt das Römisch-Germanische Museum unmittelbar neben dem Dom. Sein berühmtestes Stück ist das große Dionysosmosaik, das genau dort liegt, wo es um das Jahr 220 als Boden einer römischen Stadtvilla verlegt wurde.
Dazu kommen das fast 15 Meter hohe Grabmal des Legionärs Poblicius, römisches Glas und Schmuck sowie Teile der antiken Stadtmauer. Das Stammhaus am Roncalliplatz wird seit Jahren saniert, die Sammlung ist in dieser Zeit an einem Ausweichstandort zu sehen.
6. Museum Ludwig
- Adresse: Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
- Eintritt: ca. 11 Euro, ermäßigt günstiger
- Geeignet für: Kunstfreunde, Pop-Art-Fans
- Verkehr: Haltestelle Dom/Hauptbahnhof
Zwischen Dom und Rhein liegt das Museum Ludwig, eines der bedeutendsten Häuser für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Es verdankt seinen Namen dem Sammlerpaar Peter und Irene Ludwig, die der Stadt 1976 eine umfangreiche Pop-Art-Sammlung schenkten.
Heute beherbergt das Haus eine der größten Pop-Art-Sammlungen außerhalb der USA, dazu Werke des Expressionismus, der Russischen Avantgarde und eine der weltweit größten Picasso-Sammlungen. Im selben Gebäudekomplex sitzt die Philharmonie, deren Dach zugleich der vielbegangene Platz vor dem Museum ist.
7. Gürzenich
- Adresse: Martinstraße 29 bis 37, 50667 Köln
- Eintritt: nur zu Veranstaltungen
- Geeignet für: Konzert- und Karnevalsbesucher
- Tipp: Fassade und Vorplatz lohnen auch tagsüber
Mitten in der Altstadt steht der Gürzenich, im Volksmund Kölns gute Stube. Die Stadt ließ den zweigeschossigen Saalbau Mitte des 15. Jahrhunderts errichten, zunächst als Kaufhaus und Festsaal zugleich. Im 19. Jahrhundert wurde er zum Festhaus der Bürgerschaft umgebaut.
Bis heute ist der Gürzenich Schauplatz großer Konzerte, Bälle und der wichtigsten Karnevalssitzungen. Das benachbarte gotische Kirchenfragment von Alt St. Alban mit der Skulptur Trauernde Eltern von Käthe Kollwitz erinnert an die Zerstörungen des Kriegs.
8. NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus
- Adresse: Appellhofplatz 23 bis 25, 50667 Köln
- Eintritt: günstig, Gedenkstätte
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, ältere Schüler
- Verkehr: Haltestelle Appellhofplatz
Das EL-DE-Haus am Appellhofplatz, benannt nach den Initialen des Bauherrn Leopold Dahmen, diente von Ende 1935 bis 1945 als Sitz der Kölner Gestapo. Heute ist hier das NS-Dokumentationszentrum untergebracht, die größte kommunale Gedenkstätte dieser Art in Deutschland.
Besonders bewegend ist der weitgehend erhaltene Gefängnistrakt im Keller. An den Wänden der Zellen finden sich über 1.800 Inschriften von Häftlingen, die die Gestapo dort einsperrte. Die Dauerausstellung Köln im Nationalsozialismus ordnet diese Orte in die Stadtgeschichte ein.
9. Schokoladenmuseum und Rheinauhafen
- Adresse: Am Schokoladenmuseum 1a, 50678 Köln
- Eintritt: ca. 14 Euro, Familien günstiger
- Geeignet für: Familien, Naschkatzen
- Highlight: drei Meter hoher Schokoladenbrunnen
Auf einer Halbinsel im Rheinauhafen liegt das Schokoladenmuseum, mit rund 650.000 Gästen pro Jahr eines der meistbesuchten Museen der Stadt. Auf drei Etagen geht es um den Weg von der Kakaobohne zur Tafel, ein gläserner Schokoladenbrunnen serviert die berühmte Kostprobe.
Drumherum hat sich der Rheinauhafen vom aufgegebenen Industriehafen zum modernen Quartier gewandelt. Seine Wahrzeichen sind die drei Kranhäuser, die wie umgekippte Großbuchstaben über die Promenade in den Rhein ragen. Hier findest du Bürolofts, Yachten und einige der schönsten Spazierwege der Innenstadt.
10. Heinzelmännchenbrunnen und Veedel Altstadt-Süd
- Adresse: Am Hof, 50667 Köln (nahe Brauhaus Früh)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Familien, Köln-Liebhaber
- Tipp: Sage von den fleißigen Heimwerkern an den Reliefs ablesen
Wenige Schritte vom Dom entfernt steht der Heinzelmännchenbrunnen von 1899. Er erzählt die Sage von den fleißigen Hausgeistern, die den Kölnern nachts heimlich die Arbeit abnahmen, bis die neugierige Schneidersfrau sie mit Erbsen auf der Treppe vertrieb. Der Brunnen ist eines der beliebtesten Fotomotive der Altstadt.
Südlich davon beginnt mit der Altstadt-Süd ein Viertel aus stillen Plätzen, romanischen Kirchen wie St. Maria im Kapitol und gemütlichen Brauhäusern. Mehr über die einzelnen Quartiere liest du in unserem Überblick zu den Stadtteilen der Kölner Innenstadt.
11. Severinstorburg und die mittelalterlichen Stadttore
- Adresse: Chlodwigplatz, 50678 Köln
- Eintritt: Außenbesichtigung frei
- Geeignet für: Architekturfans, Vringsveedel-Bummler
- Verkehr: Haltestelle Chlodwigplatz
Im Süden der Neustadt markiert die Severinstorburg den Eingang ins traditionsreiche Vringsveedel. Sie ist eine von nur noch vier erhaltenen Torburgen der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer, die einst zu den mächtigsten Befestigungen Europas zählte.
Die übrigen drei sind das Hahnentor am Rudolfplatz, die Eigelsteintorburg im Norden und die Ulrepforte. Sie erinnern daran, dass das mittelalterliche Köln von einer riesigen Halbkreismauer umschlossen war, deren Verlauf heute die Kölner Ringe nachzeichnen.
12. Die Ringe und die Neustadt
- Adresse: Hohenzollernring bis Rudolfplatz, 50672 Köln
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Nachtschwärmer, Flaneure, Shopping
- Tipp: Hahnentor am Rudolfplatz als Startpunkt
Wo bis 1881 die mittelalterliche Stadtmauer stand, ziehen sich heute die Kölner Ringe als breiter Boulevard im Halbkreis um die Altstadt. Die gründerzeitliche Neustadt entstand danach planmäßig und ist mit ihren Stadthäusern und Boulevards das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel Deutschlands.
Tagsüber sind die Ringe Einkaufsmeile, abends die Ausgehmeile schlechthin, vom Friesenplatz bis zum Rudolfplatz. Grüne Inseln wie der Stadtgarten in der Neustadt-Nord und der Volksgarten in der Neustadt-Süd bieten Erholung zwischen den dicht bebauten Straßenzügen, mehr davon findest du in unserem Überblick zu den schönsten Parks der Innenstadt.
13. Rheinpromenade, Rheinpark und KölnTriangle
- Adresse: Rheinpark und Ottoplatz, 50679 Köln (Deutz)
- Eintritt: Park frei, KölnTriangle-Panorama ca. 5 Euro
- Geeignet für: Familien, Jogger, Fotografen
- Highlight: Rundumblick aus 100 Metern über den Dom
Die linksrheinische Rheinpromenade führt von der Altstadt bis zum Rheinauhafen und ist im Sommer ein einziger Treffpunkt mit Sitzstufen, Eisdielen und Schiffsanlegern. Direkt gegenüber, auf der Deutzer Seite, liegt der weitläufige Rheinpark, einer der schönsten Parks der Stadt mit der historischen Rheinseilbahn.
Wer den besten Blick auf die berühmte Postkartenansicht sucht, fährt auf die Aussichtsplattform des KölnTriangle. Aus rund 100 Metern Höhe liegt einem die komplette Innenstadt mit Dom, Rhein und Brücken zu Füßen, der ideale Abschluss eines Stadtrundgangs.
- Kolumba: das Kunstmuseum des Erzbistums über den Ruinen der Kirche St. Kolumba, stiller Gegenpol zum Trubel
- MAKK: Museum für Angewandte Kunst in der Altstadt-Nord, oft fast für sich allein
- Eigelstein: multikulturelles Veedel rund um die Eigelsteintorburg mit Markthalle und Brauhäusern
Ausblick: Wie sich die Innenstadt weiter verändert
Die Kölner Innenstadt bleibt eine Großbaustelle im besten Sinne. Das Römisch-Germanische Museum wird grundlegend saniert, das Historische Archiv und die Bürgermuseen am Neumarkt entstehen neu, und rund um den Dom soll die Via Culturalis die wichtigsten Kulturorte zu einem durchgehenden Weg verbinden.
Köln ist keine Stadt, die man in Ruhe abhakt. Sie ist laut, voll und manchmal anstrengend, aber zwischen römischem Mosaik, gotischem Turm und Liebesschloss am Rhein versteht man schnell, warum die Kölner ihr Veedel so lieben. Nimm dir Zeit, setz dich ans Wasser und schau auf den Dom, der Rest ergibt sich von selbst.